Der grosse Herr Maus hat gelesen: „Die Federkette“

federkette[Aus der Bibliothek.]

„Ich betastete die Federkette mit den Händen. Die Federn fühlten sich weich und glatt an. Dann begann ich, an der Kette zu zerren und zu reissen. Ich zog mit beiden Händen, aber die Kette, die aus nichts als Vogelfedern war, hielt stand. Sie würde alles aushalten, das war sonnenklar.“

Eleisa hat eine besondere Gabe: Sie versteht die Sprache der Vögel. Und auch die Vögel fühlen sich wohl in ihrer Nähe. Doch eines Tages geschieht ein Unglück. Ein junger Falke missversteht Eleisas Versuch, ihn zu berühren, und verletzt sie. Vor dem Gericht der Vögel werden das Mädchen und der Falke für immer aneinandergekettet. Gemeinsam suchen die beiden den Zauber, der sie wieder befreit. Eine abenteuerliche Reise beginnt.

Eine fantastisch-poetische Geschichte von der Freundschaft zwischen Mensch und Tier.

Wegen dieser „Freundschaft zwischen Mensch und Tier“-Sache habe ich dem grossen Herrn Maus dieses Buch aus der Bibliothek mitgebracht. Und es hat mich so interessiert, dass ich es auch lesen wollte.

Es ist aber sehr viel mehr als ein nettes Märchen. (Im Gegenteil. Ich fand es ziemlich finnisch düster.) Vielleicht hat der grosse Herr Maus es auch noch nicht so ganz vollständig verstanden. (Es hat ihm aber sehr gefallen.) Es ist nämlich ein sehr, sehr philosophisches Buch, abwechselnd von Eleisa und einem Wesen namens Doppelgesicht erzählt, das zwischen der Welt der Vögel und der Welt der Menschen hin und her wandern kann. Und um die Welt der Menschen steht es schlecht: man hat ihnen eingeredet, es werde ihnen besser gehen, wenn sie sich von ihren Schatten trennen. Dabei hat das schreckliche Folgen.

Erinnert ein bisschen an „Momo“,  ist aber doch ganz anders. Und endlich hat es in jüngerer Zeit mal jemand geschafft, einen Roman zu schreiben, der von Magie und Zauber handelt und nicht das kleinste Bisschen an „Harry Potter“ erinnert!

Hannele Huovi (Text), Anu Stohner (Übersetzung) „Die Federkette“. Carl Hanser Verlag, 2014. Gebunden Ausgabe, 240 Seiten.

Kategorien: mit 8 Jahren | Hinterlasse einen Kommentar

Der kleine Herr Maus hat gelesen: „Katti Matikainen ja mau-ahtava Suomi“

katti_matikainen[Aus der Bibliothek.]

Katti Matikainen on pestattu Mummun humppakerhon kiertuemaskotiksi. Rillumareissujen kiertue vie kissan eri puolille Suomea tutustumaan monenlaisiin ammatteihin ja elämänilmiöihin. Katti vierailee muun muassa merentutkimusaluksessa, patikoi Saana-tunturin laella, maatilamatkailee Pohjanmaalla, sekoilee festariapulaisena sekä kokeilee konduktöörin työtä junassa.

Koko perheen ääneen luettavassa satukirjassa on täyslaidallinen sanailua, kommelluksia ja hersyvää huumoria, jota ryydittää suloinen kuvitus.

Die Katze Katti Matikainen reist durch Finnland. Zu Beginn beschwert sie sich bei der Autorin eines Reiseführers, dass im Reiseführer gar nichts über Turku steht. Und auch nichts über Inari. „Das liegt daran, dass das ein Reiseführer über Helsinki ist“, sagt. „Gut, dann will ich einen über Inari! Und über Kuopio!“, sagt Katti Matikainen. „Ach, weisst du was? Eigentlich braucht man gar keine Reiseführer, wenn man nur mit offenen Augen durch die Welt geht!“, sagt die Reiseführerautorin.

So schön. Katti reist also mit offenen Augen durch Finnland. Nimmt an einem Humppa-Festival teil, sieht zu, wie eine Strasse gebaut wird, reist mit dem Zug von Helsinki nach Kuopio (natürlich im Spielabteil), trifft einen Meeresforscher, gerät in eine Gruppe Japaner auf Motorschlittensafari in Lappland und sieht Nordlichter…

(Katti war ursprünglich eine Figur aus dem finnischen Kinderfernsehen, die durch Finnland reiste und verschiedene Leute traf. Die Geschichten im Buch basieren auf dieser Serie.)

Ich habe übrigens alle Geschichten im Buch heimlich gelesen. Der kleine Herr Maus las nämlich das ganze Buch allein.

Silja Sillanpää (Text), Timo Kästämä (Illustration) „Katti Matikainen ja mau-ahtava Suomi“. Otava, 2010. Gebundene Ausgabe, 92 Seiten.

Kategorien: mit 6 Jahren | Schlagwörter: | Hinterlasse einen Kommentar

Der grosse Herr Maus hat gelesen: „Geisterritter“

geisterritter[Aus der Bibliothek.]

Jon Whitcroft hat es schwer. Seine Mutter und ihr neuer Freund schicken ihn aufs Internat nach Salisbury. Strömender Regen, dunkle Gemäuer, enge Flure, fremde Gesichter und ein Zimmer, das er sich mit zwei Mitschülern teilen muss. Jon ahnt nicht, dass dies bald seine geringsten Sorgen sein werden. Denn in seiner sechsten Nacht im Internat erscheinen plötzlich drei Geister unter dem Fenster seines Zimmers und starren zu ihm herauf. Doch zum Glück gibt es jemanden in Salisbury, der sich mit Geistern auskennt … 

Nachdem er die beiden Drachenreiter-Bücher begeistert gelesen hat, bat mich der grosse Herr Maus, ob ich ihm noch mehr von Cornelia Funke aus der Bibliothek mitbringen könne. „Tintenherz“ war gerade ausgeliehen, also wurde es das hier.

Am Anfang wollte er es schon fast wieder weglegen, weil es ihm zu gruslig war. Ich sagte ihm, das sei okay – denn man kann nicht früh genug lernen, dass man Bücher nicht auslesen muss – aber am nächsten Tag wollte er dann doch weiterlesen. Und fand es ganz toll.

Cornelia Funke (Text), Andrea Offermann (Illustration) „Geisterritter“. Dressler Verlag, 2016. Gebundene Ausgabe, 288 Seiten.

Kategorien: mit 8 Jahren | Hinterlasse einen Kommentar

Der grosse Herr Maus hat gelesen: „Der Zauberfluch des Elfenkönigs“

zauberfluch_des_elfenkonigs

[Aus der Bibliothek.]

Inmitten einer heißen Sommernacht wird Ariane entführt – von einem riesengroßen Drachen! Er bringt sie in den fernen, finsteren Zauberwald. Die magischen Geschöpfe, die hier leben, scheinen dem Mädchen nicht wohl gesonnen zu sein. Weshalb sonst würde der Elfenkönig Leandro einen mächtigen Zauber aussprechen? Einen Fluch, der verhindert, dass Ariane jemals nachhause zurückkehren kann. Denn er bewirkt, dass alle in der Menschenwelt sie vergessen haben! Ariane ist verzweifelt. Doch sie hat auch Freunde im Zauberwald, die ihr helfen wollen.

Eine märchenhafte, aber sehr aktuelle Geschichte darüber, welch schreckliche Folgen Missverständnisse, Vorurteile und Neid und Missgunst haben können.

„Igel, Füchse, Wölfe, Hirsche, Wildschweine und viele andere hatten sich zur Zentralen Vertretung der Interessen Tierischer Helden zusammengeschlossen. Warum? Weil sie fanden, dass es im Zauberwald zu viele fantastische Geschöpfe gab. Wenn etwas zwischen den Bäumen flatterte, dann sei das häufiger eine Waldfee als eine Eule, meinten sie. Schlängelte sich etwas auf dem Boden, sähe man öfter eine zweiköpfige Riesenschlange als eine Kreuzotter. […] Und auch, dass die Waldtiere vom Aussterben bedroht seien, wenn das so weiterginge.“

Na? Erinnert das jemanden etwa nicht an gewisse besorgte Bürger?!

Vielleicht eher eine Geschichte für jüngere Leseanfänger, aber der grosse Herr Maus hat sie trotzdem begeistert gelesen.

Vanessa Walder (Text), Almud Kunert (Illustration) „Der Zauberfluch des Elfenkönigs“. Loewe Verlag, 3. Auflage 2010. Gebundene Ausgabe, 235 Seiten.

Kategorien: mit 8 Jahren | Hinterlasse einen Kommentar

Der grosse Herr Maus hat gelesen: „Die unendliche Geschichte“

unendliche_geschichteTu was du willst, lautet die Inschrift auf dem Symbol der unumschränkten Herrschaftsgewalt in Phantásien. Doch was dieser Satz in Wirklichkeit bedeutet, erfährt Bastian erst nach einer langen und abenteurlichen Suche.

„Weisst du, welches Buch mir nach Harry Potter am allerbesten gefallen hat?“, fragte mich neulich der grosse Herr Maus. „Die unendliche Geschichte!“

Das hatte ich mir schon so gedacht. Deswegen hat er es ja auch im Mai zum Geburtstag geschenkt bekommen. Und eine Woche später ausgelesen gehabt.

Michael Ende (Text), Claudia Seeger (Illustration) „Die unendliche Geschichte“. Thienemann, 9. Auflage 2004. Gebundene Ausgabe, 480 Seiten.

Kategorien: mit 8 Jahren | Hinterlasse einen Kommentar

Der kleine Herr Maus hat gelesen: „Tierisches von A bis Z“

tierischesabc[Aus der Bibliothek.]

Zu jedem Buchstaben des Alphabets hat sich Erwin Moser einen Reim zu einem Tier einfallen lassen, mal einen witzigen, mal einen hintergründigen. Mit den farbigen Bildtafeln zusammen ein tierisch schönes ABC-Buch!

Weil der kleine Herr Maus Manuel und Didi (und überhaupt alles von Erwin Moser) so liebt, habe ich ihm dieses Buch einfach mal aus der Bibliothek mitgebracht. Der Text ist natürlich sehr kurz – ein Zweizweiler pro Seite – und er hatte es in allerhöchstens zehn Minuten durchgelesen, aber wir haben uns gemeinsam über die Reime und Bilder sehr amüsiert.

(Und jetzt möchte er bitte alle anderen Erwin-Moser-Bücher haben, die unsere Bibliothek so hergibt.)

Erwin Moser (Text und Illustration) „Tierisches von A bis Z“. G & G Kinder- u. Jugendbuch, 2012. Gebundene Ausgabe, 40 Seiten.

Kategorien: mit 6 Jahren | Schlagwörter: | Hinterlasse einen Kommentar

„Der Feuergott der Marranen“

feuergottAls kriegerisches Volk sind sie bekannt, die Marranen, auch Springer genannt. Lange haben sie im unterirdischen Teil des Zauberlandes gewohnt. Doch als Fürst Gron mit ihnen an die Erdoberfläche zieht, haben sie gelernt, ihr Land, das Land der Springer, zu verteidigen. Viel wissen sie nicht von der Welt und so erliegen sie bald der List und Tücke des Tischlers Urfin, der sich als Feuergott ausgibt. Hier werden seine Träume, Herrscher über ein Volk zu werden, wahr. Doch er unterschätzt seine Gegner.

„Wir könnten ja eigentlich mal das nächste Buch über das Zauberland als Gute-Nacht-Geschichte lesen“, schlug der grosse Herr Maus vor. Aber sicher!

Wie Urfin die Marranen manipuliert, um sich zum Herrscher über sie aufzuschwingen, und wie er sie dazu bringt, gegen die anderen Völker des Zauberlandes freiwillig in den Krieg zu ziehen… das ist leider sehr aktuell. Sollte eigentlich jedem einzelnen Kind auf der Welt vorgelesen werden…

Alexander Wolkow (Text), Leonid Wladimirski (Illustration) „Der Feuergott der Marranen“. Verlag Progress Moskau, 1974. Gebundene Ausgabe, 238 Seiten.

(Augen auf beim Bücherkauf: auch von diesem Band gibt es eine stümperhaft – und aus unerfindlichem Grund – gekürzte Neuausgabe!)

Kategorien: mit 6 Jahren, mit 8 Jahren | Schlagwörter: | Hinterlasse einen Kommentar

Mama hat gelesen: „Irgendwann werden wir uns alles erzählen!

alles_erzahlen

[Aus der Bibliothek.]

Sommer 1990, ein Bauerndorf nahe der deutsch-deutschen Grenze, die gerade keine mehr ist. Marie wird bald siebzehn, sie wohnt mit Johannes auf dem Hof seiner Eltern, in den „Spinnenzimmern“ unterm Dach. Sie ist zart und verträumt, verkriecht sich lieber mit den Brüdern Karamasow, als in die Schule zu gehen. Auf dem Nachbarhof lebt der vierzigjährige Henner, allein. Die Leute aus dem Dorf sind argwöhnisch: Eine Tragik, die mit seiner Vergangenheit zu tun hat, umgibt ihn; gleichzeitig erregt seine charismatische Ausstrahlung Eifersucht. Ein zufälliger Blick eines Tages, eine zufällige Berührung an einem andern lösen in Maria eine Sehnsucht aus, die fremd und übermächtig ist und sie wie von höherer Gewalt geleitet in seine Arme treibt …

Entgegen der überschwänglichen Rezensionen auf der Rückseite konnte ich mit dem Buch nicht allzuviel anfangen.

Das lag zum einen am Hintergrund: Die Geschichte spielt in Ostdeutschland im Nachwendejahr 1990 – aber ich habe mich kein bisschen Zuhause darin gefühlt. Welcher Bauer hatte schon einen eigenen Hof zu DDR-Zeiten? Und obendrauf noch eine Sägemühle? Welches Kind hiess schon Maria? Und ein Demeter-Hof im Jahr 1990? Ernsthaft?!

Und zum anderen und hauptsächlich daran, dass ich die Liebesgeschichte zwischen Maria und Henner kein bisschen nachvollziehen kann. Was genau macht ihn für sie so attraktiv? Dass er sie quasi pausenlos vergewaltigt?!

Sehr seltsam das alles.

Daniela Kriehn „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“. List Taschenbuch, 2012. Taschenbuch, 240 Seiten.

Kategorien: von Mama | Ein Kommentar

Mama hat gelesen: „Wer ohne Schande ist“

wer_ohne_schande_ist[Aus der Bibliothek.]

Ein gewittriger Augusttag. In den Schären westlich von Helsinki treiben zwei in eine Plastikplane eingewickelte Leichen. Als Kommissarin Maria Kallio eintrifft, sind die Untersuchungen bereits im Gange.
Bei den Toten handelt es sich um eine nackte, auffallend schöne Frau um die Fünfzig und einen Mann, dessen Gesicht entstellt wurde. Ein Lokalpolizist kann die Frau schon bald identifizieren: Sie ist die Schwägerin einer ehemaligen Eishockeylegende. Was sie allerdings mit dem vorbestraften Arbeitslosen zu tun hatte, mit dem zusammen sie gestorben ist, bereitet Maria lange Kopfzerbrechen …

Ich lese ja eigentlich keine Krimis – ausser Leena Lehtolainens Maria-Kallio-Reihe. Wer eher auf blutrünstige schwedische Krimis steht, der wird den hier ziemlich sicher langweilig finden – aber ich habe ihn mit grösstem Vergnügen gelesen. Vielleicht geht’s ja doch noch weiter, bis Maria in Rente geht.

Leena Lehtolainen (Autor), Gabriele Schrey-Vasara (Übersetzung) „Wer ohne Schande ist“. Kindler, 2. Auflage 2014. Gebundene Ausgabe, 352 Seiten.

Kategorien: von Mama | Hinterlasse einen Kommentar

Der grosse Herr Maus hat gelesen: „Die Feder eines Greifs“

feder_eines_greifs

Der Drachenreiter kehrt zurück!

In der Abgeschiedenheit Norwegens erreicht Ben eine schreckliche Nachricht: Die letzten drei Pegasusfohlen werden vermutlich nie schlüpfen und mit ihnen werden die geflügelten Pferde für alle Zeit aus dieser Welt verschwinden. Um sie zu retten, machen sich Ben und Barnabas mit einem äusserst ungewöhnlichen Expeditionsteam auf den weiten Weg nach Indonesien, um dort eines der gefährlichsten Fabelwesen der Welt zu finden. Denn nur die Sonnenfeder eines Greifs kann die Fohlen vielleicht noch vor dem Tode bewahren. Doch Greife hassen Pferde, und das Wesen, das sie als ihren ärgsten Feind betrachten, ist Bens bester Freund – ein Drache.

Ein neues fantastisches Abenteuer mit Ben und seinem Silberdrachen Lung.

Nachdem der grosse Herr Maus den „Drachenreiter“ so begeistert verschlungen hat, bekam er zu Weihnachten die Fortsetzung. Die hatte er natürlich auch in ungefähr drei Tagen ausgelesen. Um mir danach ungefähr genauso lange in aller Ausführlichkeit den Inhalt nachzuerzählen. Mir schwirrte ein bisschen der Kopf von all den Fabelwesen, aber der grosse Herr Maus war schwerst begeistert.

Cornelia Funke (Text und Illustration) „Die Feder eines Greifs“. Dressler Verlag, 2016. Gebundene Ausgabe, 400 Seiten.

Kategorien: mit 8 Jahren | Hinterlasse einen Kommentar

Mama hat gelesen: „Erziehung eines Helden“

held

[Aus der Bibliothek.]

Ein junger Pianist, der seinen Lebensunterhalt als Barmusiker verdient, verzweifelt daran, keines seiner Lebensziele erreicht zu haben: nicht als Künstler, nicht als Liebender, nicht als ein nützliches Mitglied der Gesellschaft. Er flieht in den Alkohol. Als letzte Rettung vor dem persönlichen Untergang erscheint ihm die Bewährung in der harten Arbeitswelt der seinerzeit größten Baustelle der DDR, dem Braunkohlekombinat ‚Schwarze Pumpe‘. Hier verdingt er sich als Betonarbeiter und erfährt in den nächsten Monaten an Leib und Seele, was es bedeutet, den Anforderungen des Arbeitsalltags auf einer sozialistischen Großbaustelle zu genügen.

‚Es war ein schreckliches Abschlachten, ein Strafgericht. Für mich war in dieser einen Stunde alles aus. Etwas in mir zerbrach.‘ So brachte Siegfried Pitschmann auf den Punkt, was die vernichtende Kritik des DDR-Schriftstellerverbandes an seinem Manuskript ‚Erziehung eines Helden‘ am 3. Juli 1959 bei ihm bewirkt hatte. Der Roman wurde literaturpolitisch als abschreckendes Beispiel für ‚Amerikanismus‘ und die nun offiziell verpönte ‚harte Schreibweise‘ missbraucht; er konnte in der DDR nie gedruckt werden. Es ist an der Zeit, diesem kleinen Meisterwerk endlich zu der Anerkennung zu verhelfen, die es verdient.

Ich bin sozusagen mit dieser Art Heldengeschichten aufgewachsen. Wie der fleissige Arbeiter seine Heimat und den Sozialismus aufgebaut hat. Aber keine dieser Geschichten war so schön und so anrührend und so realistisch erzählt wie diese.

Siegfried Pitschmann „Erziehung eines Helden“. Aisthesis, 2015. Gebundene Ausgabe, 249 Seiten.

 

Kategorien: von Mama | Hinterlasse einen Kommentar

„Moritz in der Litfaßsäule“

moritz_in_der_litfasssauleMoritz, neun Jahre alt, träumt gern. Und vergisst dabei die Zeit. Und weil er auch noch gründlich ist, dauert bei ihm alles ein wenig länger, als es die Erwachsenen gern sehen. Seine Eltern, seine drei Schwestern sind immer in Eile – ihnen raubt Moritz den letzten Nerv. Und auch der Lehrer verzweifelt an Moritz‘ Tagträumereien. Da reicht es Moritz und er „zieht aus“ …

Ich kenne Moritz natürlich schon aus meiner Kindheit. Aber beim Lesen ging mir auf, dass ich damals vermutlich nur den Film gesehen habe, nicht das Buch gelesen. Egal. Beides sehr schön.

Eine Geschichte aus dem „echten Leben“ – aber auch ein bisschen phantastisch – voller Wärme, Verständnis für Kinder und Lebensweisheit. Habe ich den Herren Maus eine Woche lang als Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen, und wir hatten alle grosses Vergnügen daran. Vor allem an der Katze.

Christa Kożik (Text), Günter Wongel (Illustration) „Moritz in der Litfaßsäule“. Leiv, Neuauflauge 2011. Gebundene Ausgabe, 91 Seiten.

Kategorien: mit 6 Jahren, mit 8 Jahren | Hinterlasse einen Kommentar

Das Fräulein Maus hat gelesen: „Matti und Sami und die drei grössten Fehler des Universums“

matti_sami[Aus der Bibliothek.]

Mit Lakonie und einem genauen Blick auf die deutsch-finnische Seele erzählt Salah Naoura eine Sommergeschichte voller Wärme und Witz. Dass Matti und seine Eltern aus ihren Flunkereien so unbeschadet herauskommen, ist das eigentliche Wunder dieses Romans. Eine starke Familie verträgt eben starke Geschichten.

Was für eine herzerfrischend normale Familie!

(Und das Fräulein Maus fand am besten am ganzen Buch, dass so viele finnische Worte im deutschen Text vorkommen. Und sie die natürlich alle versteht.)

Salah Naoura (Text), Anke Kuhl (Illustration) „Matti und Sami und die drei grössten Fehler des Universums“. Gulliver, 5. Auflage 2016. Taschenbuch, 144 Seiten.

 

Kategorien: mit 10 Jahren | Hinterlasse einen Kommentar

„Snöfrid aus dem Wiesental. Die ganz und gar unglaubliche Rettung von Nordland“

snofriedEin Snöfrid hat es eigentlich gern ruhig. Aber wenn mitten in der Nacht drei Feen-Männlein vor der Tür stehen, kann das nur eins bedeuten: Mehr Aufregung, als Snöfrid lieb ist. Prinzessin Gunilla ist entführt worden – und Snöfrid soll angeblich genau der Richtige sein, um sie zu retten. Dazu muss er wohl zu einer langen, abenteuerlichen Reise aufbrechen, gemeinsam mit treuen Gefährten gefährliche Gefahren überstehen und die miesen, fiesen Trolle aus Nordland vertreiben. Und es er sich’s versieht, beginnt für Snöfrid ein ganz und gar unglaubliches Abenteuer…

Haben wir geschenkt bekommen mit den Worten: „Wie bei euch. Und Snöfrid ist auch so ein bisschen wie ein Finne, der sagt kein unnötiges Wort…“

Das war ein sehr liebes Geschenk, über das wir uns zunächst sehr gefreut haben. Schon allein die Bilder beim Durchblättern – allerliebst! Und tatsächlich – Birkenwälder, Wichtelmännchen, Rentiere…!

ABER. Wir haben auch zwei Tilda-Apfelkern-Bücher, die ja auch auf den ersten Blick ganz entzückend aussehen… und irgendwas fehlt all diesen Büchern. Die Charaktere bleiben alle seltsam farblos, die Handlung soll zwar spannend sein, ist es aber nicht, ausserdem ist sie an verschiedenen Stellen nicht stimmig… Die Herren Maus, denen ich das Buch als Gute-Nacht-Geschichte vorlas, schlugen nach ein paar Tagen sogar vor, damit aufzuhören, weil es langweilig sei. Wir lasen es dann doch zu Ende und erfreuten uns wenigstens an den Bildern. Aber wir sind dann wohl durch mit Andreas Schmachtl.

Andreas Schmachtl (Text und Illustration) „Snöfrid aus dem Wiesental. Die ganz und gar unglaubliche Rettung von Nordland.“ Arena, 2015. Gebundene Ausgabe, 240 Seiten.

Kategorien: mit 5 Jahren, mit 8 Jahren | Hinterlasse einen Kommentar

Der grosse Herr Maus hat gelesen: „Der kleine Ritter Trenk“

ritter_trenk Leibeigen geboren, leibeigen gestorben, leibeigen ein Leben lang – ja, so heißt es wohl! Aber ist es nicht schrecklich ungerecht, das alle Bauern ihrem Ritter gehören und kein bisschen sich selbst? Das findet jedenfalls der Bauernjunge Trenk. Er will es einmal besser haben als sein Vater, der schon wieder auf der Burg Schläge bekommen soll. Und so bricht Trenk mit seinem Ferkelchen am Strick auf in die Stadt, um dort sein Glück zu machen. Doch so einfach, wie Trenk sich das vorgestellt hat, ist es nicht mit dem Glück – gut, dass er auf seinem Weg immer wieder Freunde findet, die ihm weiterhelfen. Und wer hätte gedacht, dass der kleine Ritter Trenk vom Tausendschlag schließlich sogar gegen den gefährlichen Drachen ins Feld ziehen wird?

Weil der grosse Herr Maus schon nach einer Woche seine mitgenommene Urlaubslektüre ausgelesen hatte und ich in Deutschland sowieso gerne in Buchhandlungen gehe, versprach ich ihm, Nachschub zu besorgen. In den kleinen Ritter Trenk habe ich mich gleich beim Reinlesen verliebt, obwohl der grosse Herr Maus derlei Geschichten vielleicht schon ein klitzekleines bisschen entwachsen ist.

Und obowhl ich das Buch  noch lieber vorgelesen hätte, als es dem grossen Herrn Maus zum Selberlesen zu überlassen. Ich mag Kirsten Boies Schreibstil, bei dem sich Geschichten immer so anhören, als würden sie gerade erzählt, nämlich sehr. Also besonders beim Vorlesen. Beim Selberlesen finde ich die Einschübe („Nun fragst du dich bestimmt, was […] aber das erzähle ich dir gleich“) nämlich auf Dauer eher nervig.

Ich finde auch die ganz nebenher einfliessenden Geschichtsfakten sehr schön – es wird z.B. beschrieben, was die Menschen damals assen und warum es eben noch keine Kartoffeln gab, und der grosse Herr Maus ist einer, bei dem solche Sachen auf sehr fruchtbaren Boden fallen. Jahre später kann er noch bei passender Gelegenheit darüber referieren, dass es nämlich bei den Rittern damals so war, dass…

Alles in allem ein sehr schönes Buch. Aber die vielen Fortsetzungen braucht man dann vielleicht doch nicht.

Kirsten Boie (Text), Barbara Scholz (Illustration) „Der kleine Ritter Trenk“. Oetinger, 2006. Gebundene Ausgabe, 280 Seiten.

Kategorien: mit 8 Jahren | Schlagwörter: | Hinterlasse einen Kommentar

Mama hat gelesen: „Kunkku“

kunkku

[Aus der Bibliothek.]

Kalle Penttinen liebt eigentlich schnelle Autos, Tennis und Pornos. Doch als König von Finnland (=Kunkku) darf er nur repräsentieren und stirbt fast vor Langeweile. Also beschließt er kurzerhand abzuhauen. Er brennt mit einer bezaubernden Schauspielerin nach Tallinn durch – und das hat ungeahnte Folgen…

Dass Finnland vor zwei Jahren Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse war, hat(te) ja den angenehmen Nebeneffekt, dass ziemlich viel finnische Literatur ins Deutsche übersetzt wurde. Also auch mal andere Dinge als Paasilinnas und Krimis.

„Kunkku“ ist aber so ein Buch, bei dem ich zwar herzhaft gelacht habe, mich aber die ganze Zeit gefragt habe, ob das für ein deutsches Publikum funktioniert.

90% der skurrilen Einfälle des  Buches sind vom allgegenwärtigen Neid der Finnen auf die Schweden gespeist. Natürlich hat ein Finnland, wie es sich mancher heimlich erträumt, einen König, gewinnt immer beim Sport, hat ein eigenes Weltraumprogramm und leistet barmherzige Entwicklungshilfe an das nach dem Krieg verarmte Nachbarland Schweden.

Ich konnte mich darüber – und über all den anderen Quatsch – köstlich amüsieren, und die meisten Finnen können das ganz sicher auch – aber ein Deutscher, der Finnland vielleicht gerade mal als Urlaubsland kennt, der wird das Buch vermutlich ratlos und kopfschüttelnd aus der Hand legen.

Einziger Kritikpunkt meinerseits: 200 Seiten weniger hätten es auch getan.

Tuomas Kyrö (Autor), Stefan Moster (Übersetzer) „Kunkku“. Hoffmann und Campe, 2014. Gebundene Ausgabe, 576 Seiten.

Kategorien: von Mama | Hinterlasse einen Kommentar

Der grosse Herr Maus hat gelesen: „Drachenreiter“

drachenreiter[Aus der Bibliothek.]

„Der Drache breitete die schimmernden Flügel aus und stiess sich von der Erde ab. Ben hielt den Atem an und klammerte sich fest an Lungs Zacken. Höher und höher stieg der Drache. Die Nacht umfing sie mit Dunkelheit und Stille…“

Je dicker ein Buch, umso besser, findet der grosse Herr Maus. Und je abenteuerlicher und fantastischer, desto besser, findet der grosse Herr Maus auch. Und weil er, nachdem er alle sieben Bände Harry Potter ausgelesen hatte, nur noch lustlos durch Bilderbücher und Donald-Duck-Heftchen blätterte, musste schnellestens und noch vor dem Lappland-Urlaub Abhilfe her. Die fand sich zum Glück in der Bibliothek.

„Das ist ganz toll, das Buch! Danke, dass du mir das mitgebracht hast!“, schwärmte der grosse Herr Maus. (Und nach allem, was ich beim Blättern darin gelesen habe, finde ich es auch ziemlich toll.) Es dauerte dann aber auch nur eine knappe Woche, bis der grosse Herr Maus es ausgelesen hatte…

Cornelia Funke (Text, Illustration) „Drachenreiter“. Dressler Verlag, 2004. Gebundene Ausgabe, 447 Seiten.

Kategorien: mit 7 Jahren | Schlagwörter: | Hinterlasse einen Kommentar

Klassiker zum Vorlesen: Das Dschungelbuch

dschungelbuch

Der Menschenjunge Mowgli wächst im Dschungel auf. Zusammen mit seinen Freunden dem Bären Baloo und dem Panther Bagheera erlebt Mowgli die tollsten Abenteuer. Als ihn eine Horde wilder Affen entführt, kann er sich auf die beiden verlassen. Aber können sie ihm auch beim Kampf gegen den Tiger Shir Khan helfen?

Der Kinderbuchklassiker von Rudyard Kipling in einer neu erzählten Fassung – mit vielen atmosphärischen Bildern von Stephan Pricken.

Ich kann zu diesem Buch eigentlich wortwörtlich wiederholen, was ich bereits zu Heidi gesagt habe: manchmal sind „kindgerechte Nacherzählungen“ auch richtig gut!

Angie Westhoff (Text), Stephan Pricken (Illustrationen) „Klassiker zum Vorlesen: Das Dschungelbuch“. Ellermann, 2013. Gebundene Ausgabe, 112 Seiten.

Kategorien: mit 5 Jahren, mit 7 Jahren, mit 9 Jahren | Schlagwörter: | Hinterlasse einen Kommentar

Der grosse Herr Maus hat gelesen: „Lohikäärme – hoito ja kasvatus.“

DragonFIN_Jacket.indd

[Aus der Bibliothek.]

Drachen – alles über Aufzucht, Pflege, Haltung.

Hier ist endlich das ultimative Handbuch für Freunde dieser fauchenden und flammensprühenden Tiere. Dieses außergewöhnlich gestaltete Handbuch erklärt, was vor der Anschaffung eines Drachen unbedingt zu beachten ist. Die riesige Schar der Drachenliebhaber erfährt hier die Antworten auf essentielle Fragen wie: Welcher Drache passt zu mir? Wie brüte ich ein Drachenei aus? Wie dressiere ich meinen Drachen, damit es ein perfektes Reittier wird? Was passiert mit meinem Drachen nach meinem Ableben? All diese Punkte werden in dem Buch ausführlich behandelt und durch zahlreiche Illustrationen untermalt. Wer immer davon geträumt hat, einen eigenen Drachen aufzuziehen, zu halten und zu pflegen, der ist nach Studie dieser detaillierten Zuchtanleitungen bestens dafür gerüstet.

Mir ist dieser Drachenhype seit „Harry Potter“ und „Drachen zähmen leicht gemacht“ ja eher suspekt. Aber über dieses Buch im Stil eines Haustierratgebers habe ich beim gemeinsamen Angucken mit dem grossen Herrn Maus herzlich gelacht.

John Topsell (Autor), Joseph Nigg (Herausgeber), Lotta Heikkeri (Übersetzung) „Lohikäärme – hoito ja kasvatus“. Nemo, 2008. Gebundene Ausgabe, 128 Seiten.

(Es gibt eine deutsche Ausgabe unter dem Titel „Drachen“.)

Kategorien: mit 7 Jahren | Schlagwörter: | Hinterlasse einen Kommentar

Mama hat gelesen: „Ausflug mit Urne“

Ausflug_mit_Urne

[Aus der Bibliothek.]

Ein lakonischer Roadtrip durch Finnland, bei dem hinter jeder Kurve etwas Unvorhergesehenes passiert.
Teemu und Janne, zwei ungleiche Brüder, machen sich mit der Asche ihres Stiefgroßvaters Jalmari auf den Weg ins ostfinnische Imatra. Dort soll der letzte Wille des Verstorbenen verkündet werden. Teemu, der als Versicherungsmathematiker arbeitet, und Janne, der sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält, hoffen auf ein üppiges Erbe. Die Reise quer durch Finnland, auf der die Brüder die Lebensstationen Jalmaris abklappern, ist gleichzeitig eine Reise in ihre Vergangenheit. Zwischen den beiden flammen seit Langem schwelende Konflikte wieder auf, doch Schlägereien, schlechter Sex, verrückte Verwandte, bekiffte Tramper und schließlich die Liebe zu einer Frau machen den beiden deutlich, dass sie trotz allem im selben Boot sitzen.
Ein humorvoller und scharfsinniger Roman über geplatzte Illusionen, über das Älterwerden und darüber, wie unterschiedlich Menschen sein können, selbst wenn sie dieselben Eltern haben.

Ich dachte, ich hätte für mein Leben genug Paasilinna gelesen, um der Art Roman nichts mehr abgewinnen zu können. Aber der hier war wirklich nett.

Roope Lipasti (Autor), Regine Pirschel (Übersetzung) „Ausflug mit Urne“. Karl-Blessing-Verlag, 2014. Gebundene Ausgabe, 320 Seiten.

Kategorien: von Mama | Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.